Geschichte

des Eichwalder Gewerbeverband e.V. 92 und Eichwalde.

Ein Zentrum für das Zentrum

Gegründet wurde der Eichwalder Gewerbeverband 1903, an einem Sonntagnachmittag um vier Uhr, wie es die Chronik verzeichnet.

Wir feierten am 25. Oktober 2013 das 110-jährige Bestehen.  Kurz nach der Wiedervereinigung erlebten wir, dank der Freien Marktwirtschaft, einen zweiten Frühling.

Wurden die Handwerksbetriebe in der DDR starkt gegängelt, blühten die Betriebe nach 1990 auf.

Eichwalde war gerade erst parzelliert worden. Kirche, Rathaus, Schule und diverse Bürgerhäuser wurden gebaut.

Detlef Pape übernahm den Vorsitz, Jörg Wollermann, Enkel des Gründungschefs Johann Wollermann, wurde sein Stellvertreter.

„Der Übergang zur Marktwirtschaft wirkte wie ein Befreiungsschlag, Handel und Gewerbe blühten auf“, stellt Werner Hahn, Verbandsvorsitzender seit 2006, fest.

„In der DDR wurden Handwerker zwar gebraucht, aber trotzdem gegängelt, und Einzelhändler gab es neben Konsum und HO nur wenige.“

Obwohl wir uns offiziell nie aufgelösten, ruhte die Arbeit während der DDR, die Verbandsarbeit.

Seit 1992 gibt es in Eichwalde den Verband wieder.

Die 92 im Namen bezieht sich auf den zweiten Frühling des Vereins, dessen Neugründung 1992.

Eichwalde entstand als Wohnvorort Berlins Ende des 19. Jahrhunderts als private Siedlungsentwicklung. Entwicklungsimpuls war der neue Bahnhof. Rundherum wurden in kurzer Zeit repräsentative Villen, bürgerliche Miets- und Siedlungshäuser in einem planmäßig angelegten Straßenraster errichtet.

Die Wende löste eine zweite Phase dynamischer Bautätigkeit aus, sodass Eichwalde heute zu den am dichtesten besiedelten Gemeinden Brandenburgs zählt. Die Lage direkt am Stadtrand von Berlin führt dazu, dass die Einzelhändler um Kundschaft kämpfen müssen, obwohl die Bürger der Gemeinde überdurchschnittlich wohlhabend sind.

Zudem gab es im Ortskern zwar gründerzeitliche Solitärbauten, aber kein gewachsenes Ortszentrum. Eher aus der praktischen Nutzung heraus hat sich die Bahnhofstraße zur Geschäftsstraße und zum belebtesten öffentlichen Raum entwickelt. Die vielen Pendler passieren sie tagtäglich und erledigen auf die Schnelle Besorgungen in den Geschäften, die sich hier konzentrieren. Wo die Bahnhofstraße den Plumpengraben, einen historischen Entwässerungsgraben, kreuzt, gibt es seit 2009 nun auch einen echten Ortsmittelpunkt: Ein Stadtplatz ist entstanden.

Die im Eichwalder Gewerbeverband e. V. 92 organisierten Gewerbetreibenden, unter ihnen viele inhabergeführte Geschäfte und Handwerksbetriebe, haben sich energisch für diesen neuen Marktplatz eingesetzt. Im Umland werben großflächige Einkaufszentren an den Autobahnabfahrten um Kundschaft und setzen dabei auf immer mehr Aufenthaltsqualität.

Zugleich nagte an der Bahnhofstraße der Zahn der Zeit. Es musste nach Ansicht des Gewerbevereins etwas passieren. Engagement für einen „attraktiven, sauberen und gut erreichbaren Einzelhandelsstandort“ ist für den Verein das handlungsleitende Ziel, um im Umfeld von großflächigen Fachmärkten und Grüne-Wiese-Shoppingcentern bestehen zu können. Da auch Eichwalde angesichts von Finanzknappheit gezwungen ist, beim Erhalt oder der Aufwertung öffentlicher Räume zu sparen, war klar, dass bei der Ausgestaltung des neuen Platzes die Vereinsmitglieder selbst mit anpacken mussten.

Ein Markplatz als Anlaufpunkt für Jung und Alt Was den Gewerbetreibenden jahrelang fehlte, war ein „Zentrum im Zentrum, von dem jeder profitiert, die Anwohner, die Händler, die Handwerker“, so Werner Hahn, Vorsitzender des im Jahr 1992 wieder gegründeten Vereins. In regelmäßig stattfindenden Ideenkonferenzen wurde die Umgestaltung eines namenlosen Freiraums in einen Marktplatz konzipiert. Dabei hatten Verwaltung, Planer und Ehrenamtliche auch den einen oder anderen Konflikt zu bewältigen. In ihren Planungen nutzen die Händler die naturräumlichen und geschichtlichen Besonderheiten des Platzes aus. Die Restaurierung einer Pumpe aus dem Jahr 1887 bildet das Herzstück der Platzgestaltung. Diese speist einen Springbrunnen aus dem historischen Wasserlauf Plumpengraben.

Sitzbänke und ein Schachbrettmuster in der Pflasterung bilden weitere Elemente, um den Platz zu einem geselligen Anlaufpunkt zu machen. Nach mehrjähriger Überzeugungsarbeit sagte im Jahr 2009 die Kommune ihre Unterstützung zu, und Fördergelder wurden akquiriert. Ein Großteil der von den Händlern vorgeschlagenen Entwürfe findet sich in der finalen Gestaltung wieder.

Für die Umsetzung der Planungen erwies sich der hohe Handwerkeranteil als Trumpf. In rund 500 unentgeltlichen Arbeitsstunden restaurierten einige Mitglieder die Pumpe und installierten die Fließrinne zur Bewässerung des Wasserspiels. Ehrenamtliches Engagement nimmt für den Verein einen hohen Stellenwert ein, was die Mitglieder mit Stolz erfüllt, aber auch an Grenzen stoßen lässt: „Das ist eine Projektentwicklung, bei der viele Faktoren eine Rolle spielen. Wir machen natürlich viel in der Freizeit, stoßen etwas an und hoffen, dass die Gemeinde es dann auch weiter umsetzt“, sagt der Zweite Vorsitzende Tino Preuß.

Aufwertungen im öffentlichen Raum sind eine langfristige Investition, die jedoch flankierender Maßnahmen bedarf. In Eichwalde konzipieren die Gewerbetreibenden gemeinsam mit der Kommune und der Handelskammer Strategien zum Branchenmix: „Wir haben auch streng darauf geachtet, dass wir hier keine doppelten Angebote bekommen, weil wir ja ein kleiner Ort sind. Aber wenn sich mehrere Angebote tragen, ist das immer günstiger als Leerstand,“ meint Werner Hahn. Neben temporären Veranstaltungen wird der Marktplatz zweimal wöchentlich seiner wortwörtlichen Funktion als Wochenmarkt gerecht.

Die Eichwalder Gewerbetreibenden sehen in ihrem Wirken einen Beitrag für die Lebensqualität ihrer Stadt, da mit ihrem Zutun ein öffentlicher Raum als Ort für Handel, aber auch als Ort für Kommunikation zwischen Jung und Alt entstanden ist. Die Förderung von Kommunikation in und über Stadt wird auch in anderen Aktivitäten des Gewerbeverbandes ersichtlich. Mit Gesprächsrunden zu gesellschaftspolitischen Themen wie Kriminalität oder den Flugrouten des Hauptstadtflughafens BER möchte der Verband Denkanstöße geben.

Wichtig ist allen Beteiligten: Man bleibt im Gespräch. Deswegen werden auch die von externen Moderatoren begleiteten Bürgertalks in der Alten Feuerwache fortgesetzt.

  Quellen: www.maz-online.de & www.bbsr.bunde.de